So funktioniert die Masche
Ein Verkäufer will mehr positive Bewertungen, als ehrliche Kunden ihm geben. Er legt Bestellungen mit echten Namen und Adressen an, die er gekauft oder zusammengesucht hat, und verschickt an jede ein billiges, leichtes Teil, damit der Kauf als abgeschlossen und versendet erscheint.
Weil eine Zustellung dokumentiert ist, zählt die Plattform jede Bewertung, die unter Ihrem Namen erscheint, als verifizierten Kauf. Sie erhalten ein unerwartetes Paket ohne Rechnung und ohne klaren Absender - und irgendwo im Netz trägt nun eine Fünf-Sterne-Bewertung Ihren Namen.
Warum es funktioniert und wen es trifft
Jeder, dessen Name und Adresse durch ein Datenleck bekannt oder weiterverkauft wurden, kann zum Ziel werden - es liegt also selten an einem eigenen Fehler. Die Masche funktioniert, weil sich ein kostenloses Geschenk wie Glück und nicht wie eine Warnung anfühlt und weil der Versand eines billigen Artikels im Vergleich zum Wert gefälschter Glaubwürdigkeit fast nichts kostet.
Wirklich geschädigt werden andere Kunden, die den aufgeblähten Bewertungen vertrauen - und mittelbar Sie selbst, weil dieselben geleakten Daten später für weiteren Betrug genutzt werden können.
Warnzeichen im Detail
Das deutlichste Zeichen ist ein Paket, das Sie wirklich nicht bestellt haben und das ohne Rechnung, ohne Geschenkkarte und oft ohne lesbaren Absender ankommt. Der Inhalt ist meist geringwertig und zufällig: Handyhüllen, Samen, kleine Gadgets, Modeschmuck.
Besonders vorsichtig sollten Sie sein, wenn ein QR-Code oder ein Zettel beiliegt, der Sie auffordert, ihn zu scannen, um den Absender zu erfahren. Dieser Code kann zu einer Phishing-Seite führen - das harmlose Paket wird so zum Einstieg in eine zweite, datenstehlende Stufe.
Was tun und wie Sie sicher bleiben
Sie dürfen einen unbestellten Artikel behalten und sind nicht verpflichtet, ihn zu bezahlen oder zurückzusenden - zahlen Sie niemals eine dafür geforderte Gebühr. Scannen Sie keinen QR-Code aus dem Paket; prüfen Sie stattdessen, ob unter Ihrem Namen Bewertungen erschienen sind, und melden Sie diese dem Marktplatz.
Ändern Sie das Passwort des mit Ihrer Adresse verknüpften Shop-Kontos, aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Anmeldung und behalten Sie Ihre Konten auf nicht getätigte Bestellungen im Blick. Treffen weiter Waren ein, melden Sie es dem Händler und der Verbraucherzentrale.